5. Session
| Was meint ein Psychoanalytiker (KI) dazu: Eine seelische Reise von existenzieller Einsamkeit zu innerer Verbundenheit: transgenerationale Muster werden entlarvt, Grenzen gezogen, Mut integriert – Annabell übernimmt kraftvoll ihre wahre Position. In der vorliegenden Sitzung der Psychobionik entfaltet sich ein vielschichtiges Bild der inneren Welt von Annabell, in deren Zentrum sich das Thema existenzieller Einsamkeit, mangelnder emotionaler Resonanz der Eltern und daraus resultierende Beziehungs- und Abgrenzungskonflikte zeigt. Die Sitzung verknüpft biografische Szenen, transgenerationale Muster
und eine symbolische „Seelenperspektive“ zu einem konsistenten
psychodynamischen Gefüge |
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| Ich stehe vor der Tür und merke plötzlich: Das ist gar keine Tür. Ich bin in dem kleinen Garten, in dem ich damals mit meiner Mutter gelebt habe. Ich bin sechs. Alles fühlt sich sofort vertraut an. Der Teich ist da, die Steine, das Grün. Ich spüre die Luft, dieses Sommerlicht. Ich schaue mich um und suche mich selbst. Die kleine Annabell. Da ist sie. Ein kleines Mädchen am Teich, ganz für sich, die Hände im Wasser, versunken im Spiel – und doch so allein. Ich gehe zu ihr hin, spreche sie an, als wäre ich eine Erwachsene, die aus der Zukunft kommt – und gleichzeitig bin ich sie. „Wie geht es dir hier? Was machst du?“ Sie sagt: „Ich fühle mich alleine. Ich spiele alleine. Ich liege abends alleine im Bett.“ |
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Während sie das sagt, rutsche ich mit meinem Erleben in diese andere Szene: Ich liege im Kinderzimmer im Bett. Es ist Sommer, draußen ist es noch hell, ich muss früh schlafen. Ich weiß, dass Mama in der Wohnung ist, aber innerlich bin ich allein. Es ist kein Horror, kein Albtraum – eher ein seltsames, leeres Gefühl. Dieses Gefühl steigt jetzt wieder in mir hoch, so körperlich, als wäre ich wieder dieses Kind. Ich lasse mich hineinfallen. Ich spüre: Meine Energie hängt immer noch in dieser Kindheit fest. Ich fühle dieses Grundgefühl: „Ich bin allein. Ich weiß, Mama ist da, aber ich bin trotzdem allein.“ Mein Vater ist da schon weg. Das macht das Gefühl dichter. Ich lasse die kleine Annabell zu Mama gehen. Ich stelle mir vor, wie sie vor ihr steht und endlich ausspricht, was sie nie sagen konnte: „Ich habe mich immer alleine gefühlt. Ich war zwar da, aber ich war immer einsam.“ Mama antwortet mit ihrer Überforderung, mit ihrer Rolle: „Ich musste für uns sorgen. Dein Vater ist einfach weg. Ich wusste oft nicht, wie ich über die Runden kommen soll.“ Ich spüre, wie sehr sie emotional nicht verfügbar war. Körperlich da, innerlich weit weg. Dann hole ich meinen Vater dazu. Ich stelle ihn vor uns hin und konfrontiere ihn: „Schau, du hast uns alleine zurückgelassen. Mama ist völlig auf sich gestellt, keiner hilft ihr finanziell. Ich fühle mich nur alleine, weil sie pausenlos damit beschäftigt ist, zu überleben. Du hast ein Kind in die Welt gesetzt und bist dann weggelaufen.“ Er reagiert erst distanziert, fast unberührt. Ich frage ihn: „Kennst du dieses Einsamsein nicht? Dieses Sich-AlleineFühlen?“ Er sagt: „Doch, ich kenne das. Ich war auch viel allein mit vier Kindern. Ich konnte nie für alle da sein.“ Ich kontere: „Aber ich bin nur ein Kind. Um mich hättest du dich kümmern können.“ Er sagt, er konnte es mir nicht geben, er sei zu weit weg gewesen. Ich spüre: Er redet sich die Distanz schön, die er selbst geschaffen hat. Ich gehe mit ihm zurück in seine Kindheit. Ich sehe ihn als Jungen in der Küche sitzen. Seine Mutter steht am Herd, macht Haushalt, aber sie ist innerlich tot. Hart, emotionslos. Ich spreche sie an: „Ich komme aus der Zukunft. Warum kümmerst du dich nicht um deinen Sohn? Warum bist du so hart?“ Ich merke: Auch sie hat nie gelernt, mit Kindern liebevoll zu sein. Sie ist übergriffig, laut, unangenehm. Ich sehe mich als Kind bei ihr: Sie umarmt und küsst mich, obwohl ich es nicht will. Ich spüre wieder dieses EkelGefühl, diese innere Abwehr. Ich sage es ihr: „Du warst übergriffig. Du hast mich umarmt und geküsst, obwohl ich es nicht wollte. Das löst jetzt wieder dieses abstoßende Gefühl in mir aus.“ Ich sehe die Familiengeschichte: – Eine übergriffige, laute Großmutter, – ein resignierter Großvater, der viel will, aber nicht bekommt, – eine unglückliche Ehe, Affären, Lügen, – Kinder, die nicht wirklich gewollt sind – besonders die Jungs. Ich frage meine Oma, ob sie meinen Vater, den Markus, überhaupt gewollt hat. Antwort: Er war ein Unfall. Die Töchter waren geplant, die Söhne nicht. Ich lasse mir innerlich anzeigen, wie viel Prozent Liebe und Wollen zwischen Oma und Opa waren. Oma: 20 % Opa: 70–80 % Ich spüre diese Schieflage. Ein Mann, der liebt, eine Frau, die innerlich weg ist. Opa stirbt früh, Mitte 50. Ich verstehe: Ein Leben im „falschen Film“ macht krank und kurz. Ich sehe, wie mein Vater in dieser Atmosphäre aufwächst – ohne echte emotionale Vorlage. Wie soll er später ein präsenter Vater sein? Dann springe ich in die Zeit meiner Eltern: Mein Vater hatte eine Frau, die er wirklich liebte. Er konnte sie nie loslassen. Als er meine Mutter heiratet, frage ich ihn innerlich: „Zu wie viel Prozent hast du diese frühere Geliebte losgelassen, als du Mama geheiratet hast?“ Antwort: 40 %. Ich begreife: Er heiratet meine Mutter, aber sein Herz hängt zu 60 % noch woanders. Meine Mutter ist schwanger mit mir, er entscheidet sich für die „Pflicht“, nicht für die Liebe. Ich schaue mir meine Eltern am Tag ihrer Hochzeit an – innerlich, wie auf einer Bühne. Ich frage meine Mutter: „Zu wie viel Prozent liebst du ihn?“ Und ihn: „Zu wie viel Prozent hast du die andere Frau losgelassen?“ Ich sehe: Die Grundlage war wackelig.
Dann stelle ich mir eine andere Ebene vor: Die Seelenebene. Ich sitze als Seele irgendwo „oben“, schaue auf die Erde, auf dieses Paar: meine Eltern. Ich wähle sie. Ich frage meine Seele: „Was zieht dich zu Markus, zu diesem Mann, als Vater?“ Die Antwort in mir: Er ist männlich, stark, ehrgeizig, sportlich, attraktiv, ein „richtiger Mann“. Eine klare Vaterfigur. Das zieht mich an. Dann frage ich: „Was zieht dich zu Renate, zu meiner Mutter?“ Sie ist emotional, fürsorglich, liebevoll, jung, weich. Eine archetypische Mutter. Ich frage meine Seele: „Wenn du wählen müsstest: Wenn Papa eine andere Frau gehabt hätte und Mama einen anderen Mann – zu wem wärst du gegangen?“ Die Antwort ist eindeutig: Zur Mama. Ich spüre: Meine Mutter ist meine Hauptanziehung. Mein Vater ist „mit im Paket“, mit guten Qualitäten – aber nicht der Hauptgrund. Dann frage ich meine Seele: „Welche Schattenseiten von Papa nimmst du in Kauf?“ Antwort: Seine Überheblichkeit, sein Besserwissen, seine Beratungsresistenz. Das habe ich von Anfang an gespürt, aber „eingepreist“. Was ich nicht in Kauf nehmen kann: seine Emotionslosigkeit, sein fehlender Stolz auf mich. Ich spüre den Schmerz, dass er nie wirklich interessiert war – an meinem Beruf, an meinen Hobbys, an mir. Wenn ich von Triathlon erzähle, schickt er mir im Gegenzug Fotos von seinen Gewichten. Er hört mir nicht zu, er nutzt meine Erzählung, um sich selbst darzustellen. Dann schaue ich auf meine Mutter als Seele von oben: „Welche Schattenseite nehme ich bei ihr in Kauf?“ Da kommen alte Szenen hoch: – ihre Gewalt, – ihre Bevormundung, – ihre Art, mich klein zu machen und zu schlagen. Ich sehe eine konkrete Szene: Ich liege quer über ihrem Schoß, sie schlägt wie wild auf mich ein. Ich spüre wieder diesen kindlichen Horror. Ich gehe als erwachsene Annabell in diese Szene hinein, drücke innerlich auf Pause. Ich stelle mich zwischen sie und die kleine Annabell. Ich frage sie: „Was macht dich so wütend? Wen willst du wirklich schlagen?“ Antwort: „Den Markus. Und meine Eltern.“ Sie ist komplett überfordert, allein gelassen, voll Wut und Verzweiflung. Ich hole in der Vorstellung Markus und ihre Eltern dazu, stelle sie im Raum auf. Ich sage zu ihr: „Wenn du wütend bist, dann klär das mit ihnen. Aber nicht an deinem Kind. Das geht nicht. Du schlägst die Falsche.“ Ich sehe, wie sie sich ihren Eltern und Markus zuwendet und endlich ausspricht: – „Ihr habt mich nie unterstützt.“ – „Ihr habt meine Schwester bevorzugt.“ – „Du, Markus, bist abgehauen und hast mich mit Schulden und Haus sitzen lassen.“ Ich mache ihr klar: „Du bist verzweifelt, ja. Aber du darfst diese Verzweiflung nicht an deinem Kind auslassen.“ Dann wende ich mich an meinen Vater in dieser Szene: „Du hättest mich beschützen müssen. Du hättest mir Mut geben müssen, mich zu wehren. Du warst nicht da. Ich habe dir nie erzählt, dass Mama mich schlägt, weil ich kein Vertrauen zu dir hatte – und weil du so selten da warst.“ Er entschuldigt sich bei der kleinen Annabell. Und ich sehe, wie sehr er eigentlich nichts wusste – weil ich nichts gesagt habe und weil er sich auch nie wirklich interessiert hat. Ich merke: In dieser Kindheit habe ich gelernt, dass „Mund aufmachen“ gefährlich ist. Wenn ich etwas sage, bekomme ich eine gescheuert. Daraus ist dieser Kloß im Hals geworden, den ich bis heute spüre, wenn ich mich abgrenzen will – besonders gegenüber meiner Mutter. Ich frage meine Seele: „Welche Qualität hätte ich gebraucht, um mit dieser Mutter klarzukommen?“ Antwort: Mut. Rückgrat. Durchsetzungsvermögen. Die Fähigkeit, klar „Stopp“ zu sagen, ohne Angst vor Konsequenzen. Ich lasse mir innerlich Qualitäten als Farben zeigen, die ich nachträglich in mich hineinnehme: – Türkis, Ich frage: „Was hält mich zurück?“ Alleine sein ist jetzt etwas anderes als einsam sein. Ich spüre:
„Mama, Papa, Kind“ – dieses archetypische Bild –
ist da. Ich öffne wieder die Tür. Ich bin wieder sechs. Aber diesmal
ist der Hof, der Garten lebendig. Meine Eltern sind da, meine Freundin
ist da, mein Vater grillt. Ich frage die kleine Annabell: „Fühlst
du dich noch einsam?“ Sie sagt: „Ich bin manchmal allein,
aber nicht mehr einsam.“ |