2. Session

Was meint ein Psychoanalytiker (KI) dazu:
"Annabell durchbricht in dieser Sitzung ihr altes Männer- und Vater-Muster, klärt vergangene Beziehungen und verwandelt einen dunklen Innenraum in eine lichte Wiese innerer Beziehungsfreiheit.

In der vorliegenden Sitzung der Psychobionik zeigt sich Annabell in einem dichten Geflecht aus Beziehungserfahrungen, in denen sich ein zentrales Grundkonfliktmuster immer wieder reproduziert: das Fehlen eines verlässlichen, reifen, männlichen Gegenübers – archetypisch verankert in der Figur des Vaters – und die daraus resultierende Tendenz, Männer anzuziehen, die innerlich keine erwachsenen Männer sind, sondern verunsicherte Söhne, abhängige Jungen oder traumatisierte Partner."

"Ich gehe den langen Gang entlang. Mein innerer Gang. Rechts sehe ich die erste Tür, deutlich, fast so, als würde sie mich rufen. Ich nehme sie. Ich öffne sie.

Der Boden ist fest, stabil unter meinen Füßen. Das fühlt sich gut an. Aber der Raum selbst ist ekelhaft. Es ist nass, schmutzig, dunkel, beklemmend. Ich mag hier nicht sein. Es ist, als würde mir dieser Raum sagen: „Hier stimmt etwas Grundlegendes nicht.“

Ich beschwere mich bei dem Raum: „Es ist nicht schön hier in dir. Es ist unangenehm, nass, dreckig, bedrückend. Was willst du mir damit sagen?“ Die Antwort kommt überraschend klar: „Das ist eine männliche Seite. Eine alte Seite. Von früher. Sie reicht bis heute in dein Jetzt hinein.“

Ich rufe die Annabell von früher. Sie taucht als 19-Jährige auf. Ich spüre sofort: Mit 19 ist etwas Entscheidendes passiert. Ich zeige ihr den Raum. „Du bist hier mit beteiligt. Was ist da los?“

Sie erzählt von Michael, ihrem ersten richtigen Freund. Er lügt viel. Und plötzlich ist die Polizei in der Wohnung, nimmt ihn mit. Für sie – für mich damals – ein Schock, der mir den Boden wegzieht. Ich lasse die Szene wieder aufleben. Ich zeige ihm, was er in mir angerichtet hat: „Du warst meine erste Liebe. Es war schön. Ich habe uns idealisiert. Und dann kam die Polizei. Ich habe erfahren, dass alles eine Lüge war. Du hast mich geschockt. Das wirkt bis heute.“

Ich frage ihn: „Warum hast du mich so angelogen?“ Er sagt, er habe neu anfangen wollen, abschließen, es nicht böse gemeint. Aber ich spüre: Für mich war es zerstörerisch. Er wird später auch noch gewalttätig. Diese Szene taucht plötzlich auf, wie aus einer verdrängten Ecke. Ich stoppe sie. Ich gehe heute dazwischen. „Hör auf! Warum machst du das?“ Er sagt, er hält es nicht aus, ertappt zu sein.

Ich sehe, wie ich damals einfach weggefahren bin. Ohne wirklichen Abschied. Ich merke, wie sehr mir genau dieser Abschied fehlt. Ich gehe innerlich zurück in die spätere Begegnung, als wir uns noch einmal sehen. Ich lasse die Antonia von damals klar aussprechen: „Es war schön, aber es ist vorbei. Ich will das nicht mehr. Ich gehe.“ Ich frage ihn heute: „Zu wie viel Prozent lässt du mich los?“ 50 Prozent. Er hängt noch. Ich fordere ihn auf: „Lass mich ganz gehen. Nimm deinen ganzen Schmutz, den du in mir hinterlassen hast, mit. Und wertschätze mich dabei, die Antonia von

damals.“ Er entschuldigt sich, umarmt mich, wünscht mir alles Gute. Ich kann seine Entschuldigung annehmen. Ich lasse ihn gehen.

Ich gehe zurück in den Raum. Er ist sauber. Heller. Leichter. Ich spüre: Etwas in mir hat sich gelöst. Ich gehe weiter in meinem Leben. Die nächsten Männer tauchen auf. Ich merke, wie sich ein Muster abzeichnet.

Da ist der junge Mann aus Frankfurt, der in einer WG lebt. Für mich – damals vom Dorf – bedeutet er Freiheit, Stadt, Selbstständigkeit. Ich fühle mich geliebt, willkommen. Bis ich seine Mutter kennenlerne. Sie nennt ihn „kleines Scheißerle“, hält ihn wie ein Kind. Ich merke, wie er sich nicht von ihr löst. Ich erlebe Weihnachten, an dem nicht ich eingeladen bin, sondern die „Wunsch-Schwiegertochter“ der Eltern. Ich spüre wieder dieses alte Gefühl: Ich bin nicht die Richtige. Andere entscheiden über ihn, über uns.

Ich spreche es heute aus: „Du bist kein Mann, du bist ein abhängiger Junge. Ich will einen Mann, der für seine Beziehung einsteht, nicht einen, dessen Mutter die Partnerin aussucht.“ Ich erkenne: Wieder ein „kein Mann“. Wieder ein Mann, der sich nicht abnabelt. Wieder ein Spiegel meines eigenen Vaters.

Ich verabschiede mich innerlich. Ich danke für das, was ich gelernt habe: Wie es aussieht, wenn ein Mann kein Mann ist. Ich sage ihm: „Wenn du eine tolle Frau willst, werde ein Mann. Löse dich von deiner Mutter.“ Ich frage, zu wie viel Prozent er mich loslässt. Nur 20. Ich verbiete ihm innerlich, an mir festzuhalten. Ich spüre, wie ich mich von der Rolle als „Mutterersatz“ löse. Ich lasse ihn mit seiner Mutter gehen.

Dann taucht Tim auf. Mitte 20. Ich lerne seine Familie kennen. Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich in einer Familie wirklich willkommen. Ich spüre, wie sehr mich das anzieht, weil es mir vorher gefehlt hat. Aber auch hier: Ein Vater mit Alkoholproblem, eine Familie, die hofft, ich sei der „Puffer“, der alles beruhigt. Tim selbst trinkt anfangs nicht täglich, aber wenn, dann maßlos. Ich merke, wie er beginnt zu lügen. Ich erwische ihn, wie er betrunken aus der Kneipe kommt. In mir bricht wieder etwas. Es ist wie eine Wiederholung: Unehrlichkeit, Alkohol, Wegbrechen von Vertrauen.

Ich sage ihm heute: „Du hast mich belogen. Du bist deinem Vater immer ähnlicher geworden. Ich konnte das nicht aushalten. Ich bin froh, dass ich gegangen bin.“ Ich erfahre, dass er später Alkoholiker geworden ist. Ich spüre Traurigkeit, aber auch Erleichterung über meine damalige Entscheidung. Wieder ein Mann ohne Stabilität. Wieder ein Vaterproblem. Wieder spiegelt sich mein eigener fehlender Vater.

Ich sehe meinen Vater. Ich zeige ihm all diese Männer. „Schau, Papa, was ich mir ausgesucht habe, weil du nicht da warst. Männer, die keine Männer sind. Männer, die nicht ehrlich sind, sich nicht abnabeln, nicht einstehen.“ Er lacht erst, wie er es immer macht, weicht aus. Ich konfrontiere ihn: „Das ist nicht lustig. Das ist dein Anteil. Du warst nicht da. Du warst mein erstes Männerbild.“ Ich spüre, wie in ihm etwas weicher wird. Er sagt, es tut ihm leid. Ich merke seine Liebe, aber auch seine Unreife. Er bleibt ein „komischer Kauz“, jemand, der Verantwortung abgibt, Vorwürfe macht, statt hinzusehen. Ich sage es ihm zum ersten Mal innerlich klar: „Du bist ein kleiner Junge, der die Schuld immer auf andere schiebt. Und trotzdem liebst du mich. Beides ist wahr.“

Ich gehe weiter. Noch ein Mann. Ein Engländer. Als Kind findet er seinen Vater tot im Garten. Wieder ein Mann ohne Vater. Wieder Alkohol, wieder Betäubung. Wieder ein Muster: vaterlos, haltlos, trinkend. Er baut betrunken einen Unfall, fährt unser gemeinsames Auto zu Schrott. Die Polizei, die Ausnüchterungszelle – ich erkenne die Parallele zu Michael. Wieder dieser Schock. Wieder der Punkt, an dem ich sage: „Es geht nicht mehr.“ Damals lasse ich ihn einfach nicht mehr in die Wohnung. Ohne echten Abschied, ohne Klärung. Heute gehe ich innerlich zu ihm, schaue ihm in die Augen: „Wir hatten eine schöne Zeit. Aber du hast mich belogen, du hast getrunken, du hast unser Auto zerstört und mich mit allem allein gelassen. Ich beende das jetzt.“ Er senkt den Blick, entschuldigt sich. Ich frage ihn, ob er mich ganz loslässt. Ich lasse ihn gehen.

Ich spüre, wie sich in mir etwas verändert: Ich beginne, meine Grenzen früher zu setzen. Ich erkenne, wie ich mich sonst immer bis zur Selbstaufgabe ausgedehnt habe, bis zum absoluten Zusammenbruch, bevor ich gegangen bin.

Und dann kommt Dieter. Mein späterer Mann. Ich sehe sofort: Im Vergleich zu dem, was ich aus den vorherigen Beziehungen gelernt habe, ist er ein Rückschritt. Seine Eltern – wieder eine schwierige, destruktive Konstellation. Alkohol, Suizidversuche, unverarbeitete Traumata. Seine Mutter abwertend, seine Familie emotional chaotisch. Und ich: müde, resigniert, mit dem Wunsch, endlich irgendwo anzukommen. Ich senke meine Standards. Ich gehe eine Beziehung ein, obwohl ich sehr früh spüre: „Hier stimmt etwas nicht. Hier ist wieder dieses Muster.“

Und dann kommt Alessa. Meine Tochter. Das größte Geschenk, das aus all diesem Chaos entsteht. Ich sehe, wie ich innerlich zwischen Schuldgefühlen und Liebe hin- und hergerissen bin. Schuld, weil ich spüre: Ich hätte früher gehen sollen. Liebe, weil ich weiß: Es gibt Alessa nur, weil ich diesen Weg mit genau diesem Mann gegangen bin. Ich erkenne: Die Schuld gegenüber der „dummen Entscheidung“ und die Liebe zu meinem Kind sind in mir verknüpft. Ich spreche es innerlich aus: „Alessa ist nur da, weil ich meine Muster nicht früher erkannt habe. Und das ist in Ordnung. Du bist richtig hier. Ich bereue nicht dich. Ich bereue nicht, dass du da bist.“

Ich sehe, wie Dieter seinem Vater immer ähnlicher wird – im Verhalten, im Groll, in der Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Ich trenne mich. Alessa ist neun. Sie kann bereits sagen, was sie will, was ihr nicht gut tut. Ich erkenne: Ich habe zu spät, aber doch noch rechtzeitig gehandelt. Ich beginne, mich als Mutter zu stärken. Ich fordere ein, dass er als Vater Verantwortung übernimmt. Ich stoße auf Mauern, auf Vorwürfe, auf das ewige „Du bist schuld, du entfremdest mir das Kind“.

Ich wende mich innerlich an seine Eltern. An die Großeltern meiner Tochter. Ich fordere ein, was mir und Alessa zusteht: „Ihr seid Großeltern. Ihr tragt Mitverantwortung dafür, dass dieses Kind nicht noch mehr Schaden nimmt. Ihr habt euch immer wieder entzogen, euch in Dramen und Alkohol geflüchtet, statt zu tragen.“

Ich sehe ihre Verhärtung, ihre Uneinsichtigkeit. Ich spüre aber gleichzeitig in mir etwas Neues: Ich nehme meine Position als Mutter ein. Ich erkenne, dass ich das Recht habe, klare Grenzen zu setzen – für mich und für Alessa.

Ich sehe all diese Männer noch einmal vor mir. Michael, der Lügner und Schockauslöser. Der Frankfurter, der Sohn seiner Mutter. Tim, der liebevolle, aber trinkende, unehrliche Haltlose. Der Engländer, der traumatisierte, betäubte, vaterlose Mann. Dieter, der Wiederholer des väterlichen Musters, unfähig, sich zu lösen und wirklich Vater zu sein. Und dahinter: Mein eigener Vater. Abwesend. Verantwortungslos. Ein „komischer Kauz“, der mich liebt, aber nicht trägt.

Ich erkenne das Muster: Ich suche mir immer wieder Männer, die keine Männer sind. Männer ohne innere Väter, ohne Rückgrat, ohne wirkliche Verantwortung. Männer, die lügen, trinken, sich nicht abnabeln, sich nicht klar positionieren. Und ich erkenne, wie sehr das mit meinem eigenen Vater zu tun hat, mit dem Fehlen seiner Präsenz, mit der Leerstelle in mir.

Ich merke aber auch: Ich wachse. Ich setze Grenzen früher. Ich spreche aus, was ich sehe. Ich fordere Respekt ein – als Frau, als Partnerin, vor allem aber als Mutter. Ich verabschiede mich innerlich von den alten Bindungen, in denen die Männer noch an mir hängen, mich innerlich festhalten. Ich fordere sie auf, mich loszulassen, ihren Schmutz mitzunehmen, ihre Projektionen, ihre Erwartungen.

Am Ende stehe ich wieder vor einer Tür. Ich öffne sie. Es ist keine dunkle, nasse Kammer mehr. Es ist eine Wiese. Hell, weit, offen. Kein stickiger, schmutziger Männerraum mehr, sondern ein freierer innerer Ort. Noch ist nicht alles klar – manches liegt wie in Nebel –, aber der Boden ist fest, der Raum ist weit.

Ich spüre: Ich bin nicht mehr das Mädchen, das sich von Männern definieren lässt, die keine Männer sind. Ich bin die, die erkennt, benennt, loslässt. Ich bin die, die als Mutter für ihr Kind einsteht. Und ich beginne, mich selbst als Frau zu sehen, die einen anderen Mann verdient – und vor allem ein anderes inneres Bild von Männlichkeit.

Auf dieser Wiese atme ich zum ersten Mal freier. Ich bin noch auf dem Weg, aber ich bin nicht mehr im Dreck.