4. Session

Was meint ein Psychoanalytiker (KI) dazu:

Im psychobionischen Prozess sprengt Antonia den seelischen „Kellerraum“ aus Einsamkeit, zerstört toxische Vater- und Familienskripte und erschafft erstmals einen inneren Ort echter Zugehörigkeit.

Antonia befindet sich in einem psychobionischen Prozess, in dem sich ihr inneres Erleben von Enge, Verlassenheit und emotionaler Kälte schrittweise in ein erlebbares Gefühl von Gesehenwerden, Zugehörigkeit und innerer Beheimatung verwandelt.


Ich stehe in einem blanken, fast sterilen Gang. Links direkt neben mir eine Tür, am Ende des Ganges eine zweite. Es zieht mich nach links, ganz klar. Ich gehe zur Tür, mein Herz klopft, ich weiß nicht, was dahinter ist, aber ich bin bereit. Ich öffne.

Ich stehe in einem kleinen, grauen Kellerraum. Die Luft ist schwer. Ein einziges kleines Fenster, durch das nur diffuses Licht fällt. Ich kann nicht hinausschauen, ich weiß nur: draußen gibt es etwas, aber ich habe keinen Zugang. Ich fühle mich eingeengt, einsam, irgendwie eingesperrt. Der Raum fühlt sich an wie ein inneres Gefängnis, von dem ich bisher nichts wusste, nur seine Wirkung kannte.

Ich frage innerlich: „Was ist deine Botschaft? Was soll ich hier erkennen?“ Nichts kommt. Nur dieses dumpfe Gefühl von Verlorenheit.

Also rufe ich mein inneres Kind. Mich mit drei Jahren. Sie taucht auf, ganz selbstverständlich, als hätte sie nur darauf gewartet. Ich frage sie, wie es ihr geht, was sie mir zeigen will. Sie sagt, sie möchte mich mitnehmen. Ich lasse es zu.

Plötzlich ist mir kalt. Ich stehe mit ihr vor dem Kindergarten. Ich sehe sie – mich – am Fenster stehen. Sie ist die Erste. Allein. Es sind noch keine anderen Kinder da. Keine Erzieherin kümmert sich. Sie steht einfach da und schaut raus. So lange. So still.

Ich frage sie, wie das für sie ist. Sie sagt: traurig. Sie vermisst die Mama. Es fühlt sich an wie Abschieben. Ich spüre, wie sich in meiner Brust etwas zusammenzieht. Ich sage ihr, dass ich sie fühle, dass ich mich an diese Situationen erinnere. Dass ich ihre Traurigkeit kenne.

Ich rufe meine Mutter in dieses Bild. Ich zeige ihr die Kleine am Fenster. Ich erkläre ihr, wie es sich anfühlt: allein, zu früh abgegeben, ohne dass jemand nachfragt, wie es dem Kind geht. Meine Mutter sagt, sie musste arbeiten, es sei damals normal gewesen, mit drei in den Kindergarten zu gehen. Ich spüre, dass sie es wirklich so erlebt hat. Aber die Kleine sagt klar: „Es war nicht schön. Ich war allein. Keiner hat gemerkt, dass ich traurig bin.“

Ich führe meine Mutter in den grauen Kellerraum. „Das“, sage ich innerlich, „ist das, was in mir übrig geblieben ist. So fühlt es sich in mir an, wenn du mich so früh und so selbstverständlich abgibst.“ Sie sieht, dass der Raum eng, düster, bedrückend ist. Sie sagt, sie hatte keine andere Möglichkeit. Aber ich spüre: sie hat auch nie gefragt, wie es mir geht. Kein wirklicher Kontakt. Das ist der eigentliche Mangel.

Dann rufe ich meinen Vater in diese Szene. Ich merke, wie wenig emotional er für mich ist. Er gehört irgendwie gar nicht dazu. Er sagt, er müsse früh arbeiten, deshalb konnte er mich nie bringen oder abholen. Die Arbeit ist wichtiger. Ich konfrontiere ihn: „Siehst du, was das mit mir gemacht hat? Wie einsam ich mich gefühlt habe?“ Er bleibt unberührt, fast gleichgültig. Ich spüre seine Unerreichbarkeit. Ein Vater, der körperlich da war, aber innerlich nicht.

In der inneren Arbeit wird klar: dieser Vater-Anteil in mir ist unbrauchbar. Ein Vater, der nicht Vater sein will, richtet in mir Schaden an. Symbolisch „schmeiße ich ihn raus“. Ich zerstöre diese starre, kalte Figur in meiner Psyche. Es fühlt sich radikal an, aber auch befreiend: ich muss diesen inneren Nicht-Vater nicht länger entschuldigen.

Ich gehe zurück zu der Tür im Gang und öffne den Raum erneut. Er ist heller. Immer noch etwas neblig, aber nicht mehr so eng. Es ist bereits ein Kinderzimmer erkennbar. Ich spüre: wenn der Vater in mir beginnt, Vater zu werden, verändert sich mein innerer Raum. Er wird bewohnbarer.

Ich rufe mein inneres Kind wieder. Sie ist jetzt in einem Kinderzimmer, das eingerichtet ist. Es gibt Möbel, es wirkt freundlich. Ich sehe Bilder: Mein Vater bringt mich mit dem Auto in den Kindergarten. Er steht beim Ballettsaal und schaut mir zu. Er freut sich sogar. Er wertet mein Ballett nicht mehr ab. Diese neuen Bilder fühlen sich warm an, als würde ein Loch in mir langsam gefüllt.

Dann weitet sich die Szene: Ich erkenne die Parallele zu Dieter und unserer Tochter Alessa. Mein Vater hat meine Interessen abgewertet, Dieter tut das gleiche mit Alessa Reiten. Mein Vater war nicht da – Dieter ist es auch nicht wirklich. Ich spüre, wie sich Generationenlinien überlagern: Männer, die ihre Kinder nicht sehen, die Arbeit, Sport, Ego, eigene Themen über das Kind stellen.

In der Innenwelt rufe ich Dieter. Ich konfrontiere ihn: Du interessierst dich nicht für das, was unsere Tochter liebt. Du warst kaum beim Reiten, nicht bei ihrem Reitabzeichen. Du warst lieber Fahrrad fahren. Ich zeige ihm das Bild meines Vaters, der sich jetzt in meiner Innenwelt verändert. Ich sage: „So wie mein Vater jetzt innerlich anfängt, Vater zu sein, so musst du es auch tun. Sonst leidet unsere Tochter so wie ich.“

Er weicht aus, relativiert, fühlt sich nicht zuständig. Wieder diese Gleichgültigkeit, diese Selbstbezogenheit. In der Symbolarbeit „zerstöre“ ich auch ihn – diesen unwilligen Vater-Anteil. Ich nehme ein Schwert, einen Schlagstock, sprenge Häuser, lasse Wellen über diese alten Figuren schwappen. Es ist brutal, aber es fühlt sich an, als würde ich verkrustete, giftige Strukturen aus meinem Inneren herausschlagen. Ich will diese Prägungen nicht mehr in meinem Kopf haben.

Aus der Zerstörung tauchen neue Bilder auf: Dieter, der Alessa an der Hand nimmt, sie zum Reithof bringt, bei der Prüfung zuschaut, stolz ist. Ich prüfe innerlich, ob das nur eine einmalige Geste oder eine echte Wandlung ist. Ich spüre, dass er innerlich noch zögert, dass seine Veränderung brüchig ist. Ich merke: ich kann ihn nicht retten. Aber ich kann in mir entscheiden, welche Vaterbilder ich weiter in mir trage – und welche nicht.

Dann taucht die Familie von Dieter auf: seine Eltern, seine Großeltern. Ich sehe die Schwiegermutter, stutenbissig, eifersüchtig auf alles Weibliche. Ich sehe mich in der Szene, wie sie damals sagte: „Das ist eine Sache zwischen Mutter und Sohn.“ Wie ich spüre, dass Dieter nicht zu mir steht. Wie er mit ihr zum Auto geht, wie er sich von ihr heimlich steuern lässt. Ich spüre wieder diese alte Ohnmacht, diese Wut.

In der Innenwelt spreche ich sie alle an. Ich sage der Mutter: „Ich bringe dein Enkelkind zur Welt. Du hast mich zu respektieren. Du hast uns dankbar zu sein, nicht eifersüchtig.“ Ich sage dem Vater: „Du tust so, als wärst du tot, nur um dich nicht mit Konflikten auseinanderzusetzen. Das ist feige.“ Ich sage Dieter: „Du hättest zu mir stehen müssen. Du hättest deine Eltern in ihre Schranken weisen müssen.“

Sie alle reagieren zunächst abwehrend, bagatellisierend. Ich spüre, wie sie mich klein machen wollen. In der Symbolarbeit zerstöre ich sie erneut – die alten Versionen von ihnen. Ich lasse Häuser brennen, Wellen alles wegspülen. Es ist, als würde ich eine ganze toxische Sippe aus meinem Inneren vertreiben.

Dann tauchen andere Bilder auf: Die Schwiegereltern, die mir sagen, sie hätten mich eigentlich immer gemocht, sie hätten so sein wollen wie ich. Ich erkenne: hinter ihrer Aggression steckt Bewunderung, Neid, eigene Unfähigkeit. Ich fühle kurz Mitgefühl, aber auch Klarheit: ihre Themen sind nicht meine Verantwortung.

Ich rufe die inneren Kinder meiner Eltern. Die kleine Renate, meine Mutter, erscheint traurig, still, abgeschnitten von ihrer eigenen Lebendigkeit. Der kleine Manfred, mein Vater, ist erstarrt, einsam. Ich sehe das Bild, das er mir einmal erzählt hat: wie er als Kleinkind stundenlang auf dem Töpfchen sitzen musste, während die Eltern weg waren. Allein. Nicht aufstehen dürfen, bis sie wiederkommen. Ich spüre seinen Schrecken, seine Einsamkeit. Plötzlich verstehe ich seine emotionale Leere auf einer tieferen Ebene.

Ich rufe die inneren Kinder von Dieters Eltern. Sie sind älter, ungefähr neun, aber genauso leer, gleichgültig, abgeschnitten. Ich sehe die Folgen der DDR-Krippenzeit: Babys, die kurz nach der Geburt von den Müttern getrennt werden, Wochenendkinder, die kein Urvertrauen entwickeln durften. Ich spüre, wie sich mir ein Muster offenbart: Generationen von Kindern, die zu früh abgegeben wurden, die sich innerlich verhärten mussten, um zu überleben.

Ich rufe Alessas inneres Kind. Sie ist lebendig, quirlig, neugierig und stellt sich sofort zu mir. Wir beide sind die lebendigsten Kinder in diesem ganzen Feld. Wir sind die, die das Kindsein noch fühlen können. Mir wird klar: ich bin diejenige, die diese Kette unterbrechen kann. Für mich. Für sie.

Dann taucht Dieters Familiengeheimnis auf: der Halbbruder Markus. Ich sehe die Geschichte: ein Vater, der zwei Frauen fast gleichzeitig schwängert; eine eifersüchtige Frau, die den Kontakt zum erstgeborenen Sohn unterbindet; ein Sohn, dem verboten wird, seinen Bruder und seinen Vater kennenzulernen. Ein Kind, das offiziell einen Vater hat, aber innerlich keinen wirklichen. Ich spüre die Dimension dieser Schuld, dieser Scham, dieser Verstrickung.

Ich stelle die ganze Familie innerlich auf: Dieters Vater, seine Mutter, die Mutter von Markus, Markus selbst, Dieter als Kind. Ich sage ihnen, was sie getan haben: „Ihr habt Vater-Kind-Beziehungen zerstört. Ihr habt Geheimnisse gemacht, als wäre Liebe eine Sünde. Ihr habt das Leben verraten.“ Ich spüre, wie viel Scham im Großvater steckt. Ich fordere ihn auf, zu seinem Sohn zu stehen. Ich fordere die Mutter auf, ihre Eifersucht loszulassen. Ich fordere den Vater auf, beide Söhne anzunehmen.

Ich lasse die alten, starren Figuren wieder symbolisch sterben, verbrennen, wegspülen – nicht aus Hass, sondern weil ich diese Prägungen nicht länger in mir tragen will. Und dann sehe ich ein neues Bild: Die Mutter von Markus schiebt ihren Sohn regelrecht zum Vater und zu Dieter. „Geh hin, nimm Kontakt auf.“ Die beiden Jungs fallen sich in die Arme, weinen, sind erleichtert. Der Vater steht davor und ist berührt. Zum ersten Mal wirkt er wie ein Vater.

Ich spüre, wie sich dadurch etwas in Dieters innerem Bild verändert. Er hat in meinem Inneren jetzt einen Vater, der zu ihm steht. Einen Bruder, der da ist. Eine andere Herkunft. Ich rufe Dieter mit diesem neuen Hintergrund. Er wirkt verbindlicher, liebevoller, verantwortlicher mir gegenüber. Ich gehe mit ihm innerlich in den Kreißsaal, in den Moment, als Alessa geboren wird.

Dieses Mal geht er nicht raus. Er bleibt. Er hält meine Hand. Er ist da. Ich spüre seine Anwesenheit, seine Verbundenheit. Ich merke, wie sich in mir ein ganz neues Gefühl ausbreitet: Ich bin nicht allein. Ich trage das Kind nicht allein. Es ist ein gemeinsamer Moment. Ein gemeinsamer Start für unsere Tochter.

Ich bleibe in diesem Gefühl. Wärme, Verbundenheit, Getragensein. Es ist, als würde sich der graue Kellerraum in mir endgültig verwandeln: In ein helles, liebevoll eingerichtetes Kinderzimmer, in dem andere Kinder spielen, in dem mein inneres Kind lacht und herumhüpft. Ich sehe die kleine Antonia, wie sie fröhlich durch diesen Raum rennt. Ich sehe Alessa neben mir. Ich sehe die inneren Kinder meiner Eltern, wie sie vorsichtig auftauen und sich uns annähern.

Ich sage innerlich zu diesem neuen Gefühl: „Bleib. Mach dich breit in mir. Du darfst Raum einnehmen.“ Ich spüre, wie sich die Schwere in meinem Rücken, die Ohnmacht gegenüber all diesen Familienkonstellationen, löst. Ich erkenne: ich bin nicht mehr ausgeliefert. Ich darf entscheiden, welche Bilder ich in mir behalte und welche nicht. Ich darf Vater- und Mutterbilder in mir erneuern.

Und während ich in diesem neuen inneren Kinderzimmer stehe, mit meinem Kind und meinem inneren Kind, wird mir klar: Ich habe begonnen, die Geschichte umzuschreiben. Für mich. Für Alessa. Für die Kinder, die nach uns kommen.